Von weitem sieht der Berg nicht hoch aus...

Wenn man auf einen Berg klettern will sieht dieser von gaaanz weit weg meist gar nicht so schlimm aus. Steht man dann aber vor der Steilwand direkt am Berg sieht es ganz anders aus. Ähnlich verhält sich das mit dem Medizinstudium. Bevor man das ganze angeht denkt man sich: "6 Jahre studieren, ich muss bestimmt echt super viel lernen und habe auch weniger Freizeit. Dann muss ich insgesamt zwei Staatsexamen schreiben und ein paar Praktika muss ich auch machen. Passt schon, Abi hab ich ja auch geschafft!"

 

Bullshit! Um das mal vorab zu sagen; ich habe JEDE Klausur beim ersten Versuch bestanden und fast immer mit der Note 1 oder 2. Ich bin also besser durch das Studium gekommen als 95% aller anderen angehenden Ärzte. Und trotzdem: Bullshit. Abi ist leider kein Vergleich, nicht mal im Entferntesten. Abi ist ein Witz (natürlich immer im Vergleich zum Medizinstudium). Leider merkt man das erst wenn man, Achtung: Metapher, wenn man vor der Steilwand steht. Mein Studium hat also so angefangen...

 

 Mein erster Tag war echt toll. Um Punkt 8.30 Uhr hatte ich ein Bier in der Hand und wurde brutal mit Kurzen abgefüllt. An meiner Uni nannte sich das O-Phase (Orientierungs-Phase, sollte uns also eigentlich Zeigen, was wo ist und wie das Studium so läuft...). Gegen 13.00 Uhr bin ich dann nackt mit einem Kasten und 5 Kommilitonen um den Rathausbrunnen in der Innenstadt gejoggt....

Am zweiten Tag hatte ich meine erste Vorlesung und musste, noch immer mit einem mörderischen Kater, feststellen, dass bereits am zweiten Tag mein Abiwissen ausgeschöpft war. Paläoanatomie hatte ICH nämlich nicht in der Schule. Auch mein bisheriges, wie ich noch immer finde recht umfangreiches Wissen in Biologie und Chemie (beides Leistungskurse!), hat nur etwa 2-3 Vorlesungen vorgehalten. Plötzlich findet man sich also mitten in der Steilwand wieder.

 

Ein seltsames aber doch recht eindrückliches Erlebnis in der ersten Woche war, dass eine Kommilitonin am Ende einer Anatomievorlesung mit den Worten: "Es war eine schöne Zeit, aber ich schaffe das nicht!" ihr Studium beendete. Nach einer (!) Woche. Da fragt man sich, wie oft man selbst diese Zweifel haben wird und diese berechtigt sein werden.

 

Man besucht Vorlesungen und die ersten Seminare in Biologie und Physik, lernt schon jetzt mehr als man es fürs Abi je getan hat und wird immer mal wieder durch interessante und faszinierende Fakten an das Studium gefesselt. Ständig wird einem klar wie wenig man über den menschlichen Körper weis, wie viel es noch zu lernen gibt. Und doch will man es immer mehr. Man entwickelt eine echte Begeisterung für den Menschen und die wenigen kleinen klinischen Fakten über Erkrankungen machen wissbegierig. So arbeitet man sich langsam in das Studium ein und das Semester vergeht wie im Flug.

 

Leider stehen am Ende eines jeden Semesters Klausuren an. Auch das wird einem zunehmend bewusst. Und da man während des Semesters schon ohne Ende gelernt hat ist einem klar, dass die Klausurenphase nicht witzig werden wird....

10.10.07 14:00

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